Japan

16-23.07.2015 Japan
Am vorletzten Tag in Neuseeland ist mein Gepäck, auf dem Rückflug Nelson -Auckland, verschwunden.
Flughafen Auckland, es ist jetzt 22 Uhr und ich muss morgen früh, um 8.20 Uhr den Flieger nach Tokio erreichen, dann durch den Transit nach Okinava, um von dort, am nächsten Tag, die Fähre um 7.00 Uhr nach Amami  erreichen zu können. Die wiederum nur einmal in der Woche fährt. Ich  rechne mir aus, dass ich Line of Sight Japan knicken kann, wenn die Tasche bis morgen früh nicht wieder gefunden wird, da alle blöden Adapter der Kameras und das ganze Elektrozeugs zum Aufladen der Batterien dort drin sind. Auch wenn die Tasche nach meinem Abflug aus Auckland gefunden und nachgesand werden sollte, hätte ich keine Chance sie zu bekommen, weil ich sie persönlich durch den japanischen Zoll bringen muss. Ausserdem  wäre ich  sowieso dann auf Amami-Oshima. Bis um 23.00 Uhr verbringe ich bei Lost & Found im Flughafen Auckland, ohne Erfolg. Ich fahre in das schnell gebuchte Hotel, wasche mich kurz, 2 Gin Tonic, versuche 3 Stunden zu schlafen. Bin dann, so um 5.00 Uhr wieder am Flughafen. Ich bekomme es hin, dass alle suchen (Business Class Buchung hat seine Vorteile!). Leider sind die meisten Flughafenangestellten so früh noch nicht da. Es ist wirklich nervenaufreibend. Kurz vor dem Boarding wird  die Tasche gefunden. Sie wurde versehendlich auf das Band für den Transit gelegt, wobei sie auf dem Domestic Band hätte sein sollen. Die Zeit ist so knapp geworden, dass mir die Frachtmanagerin die Gepäckindendifizierungsnummer auf meinen Handrücken schreibt und ich als Letzter in die Maschine nach Tokio komme, die auf mich extra 15 Minuten  gewartet hatte – siehe Business Class 🙂

 

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Meine Fluggepäcknummer

 

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…von Vicky Troubleshooter / Flughafen Auckland

 

Wir fliegen dann mit 45 minütiger Verspätung ab. Traffic Control hatte mal wieder zuviel auf dem Radar. Da  ein starker Jetstream auf der Strecke Auckland-Tokio herrscht würde die Maschine, trotz verspäteten Start, 20 Min früher in Tokio landen, wie der Copilot durchgibt. Jetzt sitze ich 10 Km über der Erde, schaue aus dem Fenster, beobachte die Eiskristalle und Wolkenfahnen, die durch den Jetstrem die  selbe Geschwindigkeit haben wie unser Flieger. Es sieht so aus, als wenn sich die Erde drehen würde und wir fixirt am Himmel hängen. Ein sehr seltenes Erlebnis, da es nicht oft vorkommt, dass die Wolken durch den Jetstream die selbe Geschwindigkeit haben, wie der Flieger.
Nach einem 8 Stunden Flug dann Landung in Tokio. Challenge: den Anschlussflieger nach Okinawa in 50 Minuten zu erreichen!  Gute Voraussetzung dafür: unsere Maschine hat im selbern Terminal angedockt, an dem der Okinaverflieger auch steht. Durch die Imigration: 20 Min, durch den Zoll:10 Min, zum Domestic Check In: 10 Min, Check In: 5 Min ( vorgedrängelt) zum Gate….. Der Okinaver-Flieger hat: Vespätung! Temperatur im Flughafen: 38 Grad, Luftfeuchtigkeit: gefühlt unter Wasser…. Vollkommen verschwitzt befinde ich mich aufeinmal in der Mitte von ruhig sitzenden Japanern, die mich verständnislos anschauen und gelassen auf den verspäteten Abflug warten. Peinlich. Mit der Zeit komme ich wieder zur Ruhe und schaue mich um. In der Abflughalle sitzen viele Asiaten und auf einmal bemerke ich, viele Amerikaner. Ich erkenne sie an dem militärischen Aussehen, obwohl sie zivil gekleidet sind. Viele von ihnen  sehen aus, wie  die Puppen der Aktionheros. Auf Muskeln tranierte Körper, mit T-Shirts wie FINISHER oder CLEANER an, Kaugummi kauend, fast ausnahmslos 2 Meter Typen, viele auf ihrem IPad Aktionfilme schauend. Wie mir einer von ihnen erklärt, sind die meisten der hier Sitzenden Marines auf  der US Militärbasis in Okinawa stationiert,einer der grössten US Basen im asiatischen Raum, seit dem 2. Weltkrieg. Sie wirken zwischen den Japanern sehr deplaziert, als wenn sie von einem anderen Stern kommen würden. Wie mir ein Englischlehrer, der auf  den Inseln unterrichtet später erklärte, werden sie  von den Einwohnern der Inseln auch überwiegend so wahrgenommen: als Aliens. Überhaupt, die Einwohner der Inseln. Im Gegensatz zu den Japanern von der Hauptinsel, das für uns eigentliche Japan, sind die „Insel-Japaner“ für mich später leicht daran zu erkennen, dass sie sehr offen und direkt, mit viel Humor anderen Menschen begegnen. Japaner von der Hauptinsel habe ich nachher  an der westlich, modischen Kleidung erkannt, die sie leicht balsiert tragen und dabei meistens eine hektische Ausstrahlung verbreiten. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es  überwiegend Urlauber sind, die versuchen, so gut wie möglich ihren knappen Urlaub auf ihren  Urlaubsinseln zu verbringen und deshalb nichts versäumen dürfen.
Ankunft 23 Uhr auf Okinava. Klar, die Maschine hatte zusätzliche1 1/2 Verspätung beim Abflug aus Tokio…
Wenn Tokio schon heiss und schwül war, ist Okinava die Steigerung davon. Einen Schritt aus dem Flughafen und ich war schweissnass. Das Taxi zum Hotel hatte eine Klimaanlage.Glück gehabt.

 

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Taxifahrer aus Okinava

 

Nach 4 Stunden Schlaf, morgens um 7 Uhr auf die Fähre und los. Ich wollte noch schnell  ein Hafenfoto machen, da die landenden Linienflugzeuge auf Okinava International Airport ca. 50 Meter über der Fähre ihren short Final haben und…. Phase One streikt. Kein Leben in dem Rückteil. Batterien sind voll, aber nix. Panik. Ich fahre auf eine endlegene Insel und meine Haupt-Kamera  streikt!!!! Ich nehme das Rückteil ab und sehe, der Sensor ist durch die Luftfeuchtig mehr als beschlagen, es hat sich Kondesnswasser  darauf gebildet und ich nehme an, dass sich auch Kondenswasser auf der Hauptplatine gebildet hat. Ursache für das nicht Aufwachen des Rückteils: Kurzschluss??? Ich bin ziemlich ratlos und packe die Kamera ersteinmal wieder ein. Als Zweitkamera hatte ich mir extra eine Sony 7r gekauft, deren Sensor aber auch schon durch den Schneesturm auf Patagonien leicht lediert ist. Na toll, um die Welt nun mit einem kaputtem PhaseOne Rückteil und einer lädierten Sony 7r, deren Bilder ich mehr restaurieren als Entwickeln kann. Wird eine Herausforderung! Denke darüber nach, wenn es sein muss, die weiteren Lanschaftsfotos mit dem Ipad und Iphone zu schiessen. Würde dann aber eine komplett andere Ästethik gegenüber den jetzt schon fotgrafierten Zielorten geben.Bin vollkommen fertig von dem Streiken meiner Kameras und von den vorangegangenen Tagen durch diese blöden Reiseschwierigkeiten. Ich beschliesse, mich ersteinmal hinzulegen und den versäumten Schlaf nach zu holen.

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mit der Sony R7

 

Für die 16 stündige  Überfahrt auf die Insel Amami-Oshima hatte ich eine Kabine zweiter Klasse gebucht. Der Steward zeigte mir den Weg und als er die Tür aufzog, liegt dahinter ein Schlafsaal für 100 Menschen, Reismatte neben Reismatte, Kopfstütze neben Kopfstütze. Was anderes, als ich erwartet hatte, aber cool, zumal kein weiterer Mitreisender zu sehen ist.

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Das änderte sich aber im Laufe der Reise und als wir auf Amami-Oshima ankamen, lag ich wie ein Hering in der Büchse neben schnarchenden, trinkenden, manchen laut singenden Japanern als einziger Ausländer, der von den Wachgebliebenen immer mal wieder heimlich beobachtet wurde.

 

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Die Funktionen der Toilette auf der Fähre habe ich nicht herausgefunden….. ging aber trotzdem!

 

Im reservierten  Hotel musste ich mein Kameraproblem lösen und hatte dafür genau eine Nacht Zeit, da am nächsten Morgen um 11 Uhr der Bus zum anderen Ende der Insel fuhr und ich dort die einzige Fâhre nach  Yoro-shima erreichen musste. Ich würde dann auch kein Internetzugang  mehr haben. Wieder eine schlaflose Nacht. Phase One meinte, ich sollte mir ein Rückteil in Tokio renten….. unter den zeitlichen Voraussetungen ein toller Vorschlag. Ansonsten,  Rückteil einschicken. Der Phase One Vertreter in Hamburg hatte den Vorschlag, das Rückteil mit dem Rechner zu verbinden. Wenn es dann auch nicht funktioniert: Lösung 1: Rückteil einschicken. Ich legte dann das Rückteil  abgedeckt über die heisse Glühbirne der Nachttischlampe und hoffte, dass ich dadurch die Feuchtigkeit aus dem Grerät bekomme. Und… Bingo!!! Nach einer halben Stunde meldetet sich P45 zurück. Ich kam mir vor, wie die Astronauten in der  Appolo13 Kapsel,  nach dem sie wieder genug Strom zum Anschalten ihrer Computer hatten.

 

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Die Trocknung

 

Übermüdet hatte ich jetzt nur noch ein Problem: Wie frage ich mich zum Bus und zur Fähre durch. Im Hotel sprach keiner Englisch. Eine japanische Touristin hörte mein Versuch der Kommunikation mit dem Hotelbesitzer. Sie sprach soviel Englich, dass sie meine Fragen auf japanisch übersetzte und auf ein Stück Papier schrieb, das ich dann mit dem Ipad abfotografierte. Ich zeigte die abfotografierten japanischen Übersetzungen meiner Fragen einem Passanten, der mich sofort zur richtigen Bushaltestelle brachte.Sebst der Busfahrer half mir, dass japanische Busticketziehen zu erklären. Beim Einsteigen zieht man ein Ticket mit einer Nummer darauf, die mit der Haltestelle korrespondiert. Vorne im Bus ist eine Leuchttafel, die nach jedem Stopp einen weiteren höheren Preis anzeigt, relativ zu der gezogenen Nummer. Beim Aussteigen zahlt man dann den letzten Betrag der angezeigt wird, abzüglich den Betrag, der vor dem Ziehen seiner Nummer noch sichtbar an der Tafel angezeigt wird. Bin dann pünktlich zur Fähre nach Yoro- Shima gekommen.

 

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Die Bezahltafel

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Ein normaler Inselbus

 

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Die kleine Fähre nach Yoro-Shima

 

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so sieht es im Inneren der Fähre aus…….

 

Ich hatte nichts an Essen eingekauft, da ich auf  Yoro-shima vor hatte, für die erste Nacht dort ein Hotel zu suchen  und am nächsten Tag durch den Dschungel an den Strand zu wandern, durch den die Line of Sight verlief. Yoro-Shima besteht aus einem kleinen Dorf mit 100 Einwohnern, kein Hotel, kein Supermarkt, keine Infrastruktur für Fremde. Nach langem Suchen, das Gepäck schleppend, fand ich einen kleinen einheimischen Laden, in dem ich Muschelkonserven und Beef einkaufte und da es dort keine Wasserflaschen gab, süssen Orangensaft. Ein alter Herr erklärte mir mit Händen und Füssen beschreibend, ja nicht durch den Dschungel zu gehen, da es dort sehr viele giftige Schlangen gäbe. Schöne Scheisse. Also dann an der Steilküste entlang, zu dem Ziel-Strand. 43 Grad, 90 % Luftfeuchtigkeit und immer schön am unteren Saum der Steilküste mit meinem ganzen Gepäck auf dem Rücken, Richtung Line of Sight. Tahanea war nichts dagegen. Ich brauchte so ca. 6 Stunden, um die halbe Strecke zum Strand zurück zu legen, als es dunkel wurde. Ich erreichte einen kleinen Strand, der allerdings Gezeitenspuren aufwies,  die bis an die Dschungelgrenze gingen. Also soweit wie möglich rauf Richtung Dschungel, wo ich das Zelt auf einer vom letzten Sturm überspülten Abbruchkannte aufbaute.

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Weg vom Wasser…….

 

Klar, und nachts kam dann der Sturm. Ich hatte Glück, das Zelt auf einem mit Strandpflanzen überwuchertem Stück aufgebaut zu haben. Die reinen Sandflächen rutschten durch den sinnflutartigen Regen  neben mir ins Wasser, das bis kurz vor meinem Zelt auflief. Tolle Nacht! Ich  sass mit meinen Kameras und meinem Laptop, alles eiingewickelt  in meiner Regenjacke,  am erhöhten Dschungelsaum ( Liebingsrrefiugium der Schlangen) und wartete darauf, dass mein Zelt mit der ganzen Ausrüstung sich ins Merr verabschiedete. Als es lansam hell wurde, war vom Strand nichts mehr übrig. Alles eine schäumende Wasserfläche. Ich hatte echt keine Lust mehr, packte aber mein nasses Zelt, meinen nassen Schlafsack, meine nasse Klamotten in den Rucksack und stieg dann weiter an der Steilküste dem Zielstrand entgegen. Fuck, fuck, fuck!!!

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Das Wetter wurde immer schlechter. In einem Moment, als der Regen mal kurz aufhöhrte, machte ich die Line of Sight Fotos und kletterte so schnell wie möglich wieder zurück ins Dorf. Zu meiner allergrössten Freude sah ich die Fähre dort liegen, die Nachmittags zurück nach Setouschi fuhr und mich überdies, totz nicht vorhandener Reservierung, mitnahm. Ich sah wohl ziemlich mitleiderregend aus….

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